Gläubig?

Ich glaube (!), dass fast jeder Mensch im Prinzip gläubig ist. Jede/r oder zumindest die meisten haben Dinge, an die sie glauben, die sie nicht rational beweisen können und es teilweise auch gar nicht wollen. Oder muss ich erst empirisch beweisen, dass ich bspw. meine Eltern liebe oder daran glaube, dass der Dienst für mein Leben eine große Bereicherung darstellen wird?

Aber natürlich ist Ihnen das zu generell. Sie interessieren sich für die Gretchenfrage, ist schon klar. Nun, um Klartext zu reden:

Alex GreyGlaube ich an einen persönlichen Schöpfergott, der höchstpersönlich für mich und alle Menschen da ist und mit weißem Rauschebart im Himmel sitzt und uns nach Belieben in die Hölle schicken kann? Nein. Ich glaube vielmehr an eine universelle, spirituelle Energie, die alles Leben durchfließt, es besonders und wertvoll macht und in Kleinigkeiten zum Vorschein treten kann wie einem Lächeln oder einem schönen, besonderen Sonnenaufgang (sehr kitschig, ich weiß...).

Kann ich Leute, die daran - oder generell etwas anderes - glauben, nicht ausstehen? Nein. Ganz im Gegenteil. Ich fände es furchtbar langweilig, wenn jede/r das gleiche wie ich glauben würde. Dass ich von meinem Glauben überzeugt bin, heißt nicht, dass sich mein Glaube nicht noch ändern kann. Jede/r soll an das glauben, das sie/ihn glücklich macht, solange sie/er dabei niemanden in ihrer/seiner Freiheit einschränkt (Fanatisten und Radikale bspw.). Dennoch plädiere ich dafür, dass jede/r genau überlegen soll, ob sie/er nicht einfach einen Glauben vorgesetzt bekommt und ihn schluckt oder ob sie/er wirklich davon zutiefst überzeugt ist.

Bezeichne ich mich als Christ, glaube ich an Jesus Christus? Nun, ich glaube durchaus an die historische Jesus-Figur, da es wissenschaftlich sehr wahrscheinlich ist, dass sie gelebt hat und ich glaube auch, dass er viele gute Taten (mit den Wundern ist das so eine Sache...) vollbracht hat, für seine Zeit höchst fortschrittliche Dinge geäußert hat, die heute mehr denn je gelten sollten und alles in allem nunmal ein toller Mensch war, der für gute Sachen einstand und aus Liebe zum Menschen und aus Überzeugung seiner Lehre sogar starb. Aber ich glaube nicht daran, dass er Gottes Sohn war (zumindest wörtlich gesehen - aus meiner Sicht sind wir alle besondere, "göttliche" Geschöpfe) und ich verehre ihn auch nicht mehr wie man einen Menschen verehren kann. Ich bin davon überzeugt, dass jeder Mensch etwas ganz besonderes ist und dass man keine "Anführer" oder anbetungswürdige Menschen braucht, um sein Glück zu finden. Daher würde ich mich auch nicht als Christ bezeichnen, auch wenn mich natürlich viel mit dem Christentum verbindet. Aus meiner Sicht ist Jesus eine Inspiration, aber kein allmächtiger Erlöser.

Alex Grey2Ich glaube, dass einen zu viele Dogmata und vorgegebene Rituale und Texte zwar Sicherheit geben können, sie können einen aber auch daran hindern, zu erforschen was man wirklich glaubt, wovon man wirklich überzeugt ist und wie man die Welt wirklich sieht. Ich persönlich sympathisiere stark mit dem Pantheismus (eine Philosophie), mit dem ursprünglichen Buddhismus und auch mit vielen Elementen des Christentums, aber Religion an sich hat sich für mich bisher immer recht starr dargestellt, weshalb ich meinen persönlichen Glauben nicht vordefiniert sehe, sondern er durch viele Dinge beeinflusst wurde und auch weiterhin beeinflusst wird (übrigens spielt die Naturwissenschaft hier auch eine Rolle). Ich bin auf jeden Fall schon gespannt, wie er sich nach einem Jahr im christlichen Pallotti College verändern wird.

Übrigens: Wenn Sie Diskussionsbedarf sehen oder mit mir mal über Glauben reden wollen, so kontaktieren Sie mich doch einfach!